Martin Wagner

Am 5. November 2008 wurde unsere Schule nach dem Berliner Architekten und Stadtplaner Martin Wagner benannt. Martin Wagner wurde am 5. November 1885 in Königsberg geboren. Er studierte von 1905 bis 1910 an den Technischen Hochschulen Dresden und Berlin Architektur, Städtebau, Volkswirtschaft und Kunstgeschichte.

Sein hohes Ansehen auch außerhalb Deutschlands errang Martin Wagner in seiner Eigenschaft als Berliner Stadtbaurat in den Jahren von 1926-1933. In den Jahren seiner Amtsführung bestand eine enge Zusammenarbeit mit den damals noch wenig bekannten Architekten A. G. Walter Gropius (1883-1969), Hugo Häring (1882-1958), Hans B. Scharoun (1893-1972), Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969), Hans Poelzig (1869-1936) und anderen.

Aus dem Zusammenwirken mit diesen Architekten und seinen eigenen Arbeiten gab Martin Wagner der Berliner Innenstadt (erstmals) ein welt-städtisches Gepräge. Zu den wichtigsten Berliner Projekten Martin Wagners gehören die Siedlung Lindenhof in Schöneberg (1918/1919), die Hufeisensiedlung in Neukölln (1925/1926), die Strandbäder Müggelsee in Köpenick und Wannsee in Zehlendorf (1928/1929), ferner Entwürfe für die Neugestaltung des Alexanderplatzes (1928) und des Potsdamer Platzes (1928), das Messegelände in Charlottenburg-Wilmersdorf (von 1927 bis 1931).

Zusammen mit der freigewerkschaftlichen Sozialisierungsbewegung entwickelte Martin Wagner in Berlin genossenschaftlich-gemeinwirtschaftliche Baubetriebe, die 1919 als erste Berliner Bauhütte umgesetzt wurde und die bald in ganz Deutschland Nachahmer fand. Wagners Wunsch war es, auch die private Bauindustrie in genossenschaftliches Eigentum zu überführen, um preiswerten und rationellen Wohnungsbau realisieren und die Wohnungsnot in Berlin und anderen großen Städten mildern zu können. Hierzu initiierte er 1924 die Gründung der DEWOG und GEHAG durch die Gewerkschaften, und Jahrzehnte bevor der sozialistische Plattenbau im Osten Deutschlands Furore machte, errichtete Wagner in Berlin-Lichtenberg 1924 mit der Großplattenversuchssiedlung die erste dieser Art in Deutschland.

In allen diesen Objekten Martin Wagners – ob Wohnungs-, Sozial- oder Gemeinschaftsbauten – wurde mit den überaus begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Sozialen Wohnungsbaues der Weimarer Republik außerordentlich vorbildliche Baukultur praktiziert und demonstriert, die auch anfangs noch beispielhaft für das gemeinnützige Bauen in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg wurde. Fast alle Bauobjekte Wagners, die den 2. Weltkrieg und die nachfolgenden Sanierungs- oder Rekonstruktionssünden überlebten, sind heute begehrte Wohnobjekte und stehen unter Denkmalschutz.

1933 tritt Martin Wagner, als Reaktion auf den Ausschluss von K. Kollwitz und H. Mann durch die NSDAP, aus der Preußischen Akademie der Künste aus. Die NSDAP entlässt Martin Wagner 1933 als Stadtbaurat von Berlin unter Streichung der Bezüge und belegt ihn mit einem Berufsverbot als Architekt in Deutschland. Martin Wagner emigriert 1935 in die Türkei (Istanbul) und 1938 in die USA (Cambridge).

Martin Wagner starb am 28.04.1957 in Cambridge/Massachusetts (USA).

Auszugsweise aus: Karl-H. Bieneck: Die Siemensstadt – Ein Lexikon der Siemensstadt in Berlin/Literatur: Jochen Boberg, et al. (Hrsg.): Die Metropole – Industriekultur in Berlin […].
C. H. Beck, München 1986/Klaus Novy, Barbara von Neumann-Cosel (Hrsg.): Wohnreform in Berlin – Ein Arbeitsprogramm wird vorgestellt. Edition Hentrich, Berlin 1991/Alois
Slominski: Häuschen mit Garten für Niedrigverdiener […]. Wohnen in Berlin/Brandenburg; Nr. 1/2, 2007